🏊♂️ Vier Gießener starten bei der WM in Doha — drei Medaillen für den GSV
🥈 Maike Lang wird Vizeweltmeisterin
In diesem Jahr war für die Schwimmwelt alles etwas anders: Wegen der Olympischen Spiele in Paris wurden die Schwimmweltmeisterschaften in den Februar verlegt. Da die Masters-Weltmeisterschaften traditionell am gleichen Ort stattfinden wie die regulären Titelkämpfe, rückte auch dieses Event ungewohnt früh im Jahr in den Kalender.
Nach der Fußball-WM 2023 sicherte sich Katar mit der Schwimm-WM und der Masters-WM die Austragung einer weiteren weltweit populären Sportart. Startberechtigt ist jeder Masters-Schwimmer, der die geforderten Pflichtzeiten erfüllt und die Teilnahme finanziell stemmen kann.
Für die vier Masters-Aktiven des Gießener Schwimmvereins war die WM in Doha ein besonderes Ziel. Eine Weltmeisterschaft ist für Amateur-Schwimmer das höchste sportliche Niveau — und die kurze Flugzeit von rund sechs Stunden machte die Teilnahme zusätzlich attraktiv. Am Ende wurde die Wettkampfwoche am Persischen Golf zu einer der erfolgreichsten in der Geschichte der GSV‑Schwimmabteilung: Drei Medaillen und sechs Top‑Ten‑Platzierungen sind für einen kleinen Verein mit begrenzten Trainingsmöglichkeiten und rein ehrenamtlichen Trainern ein außergewöhnliches Ergebnis.
Trainer Ulrich Ringleb zeigte sich nach knapp zwei Wochen Wettkampf stolz auf seine Athleten:
«Deutsche Meister und Vize-Europameister hatten wir schon — aber drei Medaillen bei einer WM sind etwas ganz Besonderes. Wenn uns vorher jemand gesagt hätte, dass wir 3 Medaillen und 11 Top‑Ten‑Platzierungen holen, hätten wir ihn wohl für verrückt erklärt.»
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war der starke Teamgeist. Ringleb lobte besonders Ann Kristin Neuloh-Stein und Maike Lang, die trotz ihrer anspruchsvollen Berufe jede freie Minute in Training investieren. «Diese Medaillen sind die verdiente Belohnung», so der Trainer.
🏅 Ann Kristin Neuloh-Stein — Bronze über 800m Freistil
Die erfahrenste GSV-Starterin begann am 23. Februar ihre dritte WM-Teilnahme nach London und Fukuoka — und das mit einem beeindruckenden Programm von insgesamt 5000 Wettkampfmetern.
🌊 3000m Freiwasser — Platz 5 bei 20,4 Grad Wassertemperatur
Im alten Hafen von Doha startete sie in der AK 35 mit 17 weiteren Schwimmerinnen. Nach 21:29,9 Minuten zur Halbzeit zog sie das Tempo an und schlug nach 42:44,0 Minuten als Fünfte an — eine deutliche Steigerung gegenüber Platz 11 bei der WM 2023.
🥉 800m Freistil — erste WM-Medaille für den GSV
Nach zwei Ruhetagen folgte der erste Beckenstart im «Aspire Dome». Mit einer starken Renneinteilung und einer Zeit von 10:38,02 Minuten sicherte sie sich Bronze — die erste WM-Medaille in der Vereinsgeschichte. Gleichzeitig verbesserte sie ihre persönliche Bestzeit um acht Sekunden und war die schnellste Deutsche ihrer Altersklasse.
Weitere Top‑Ten‑Ergebnisse
- 400m Freistil: 5:03,92 — Platz 7
- 200m Lagen: 2:44,38 — Platz 7
- 200m Schmetterling: 2:42,48 — Platz 5
- 400m Lagen: 5:51,63 — Platz 5
🥈 Maike Lang — Vizeweltmeisterin über 200m Rücken
Am zweiten Wettkampftag folgte der nächste historische Moment für den GSV. Die 28‑jährige Ärztin startete in der AK 25–29 über 200m Rücken — mit Medaillenchancen laut Meldeliste, aber ohne klare Erwartungen.
Vom Start weg lag sie knapp hinter einer italienischen Konkurrentin und konnte den Rückstand trotz starker Leistung nicht mehr aufholen. Mit 2:38,60 Minuten schwamm sie persönliche Bestzeit und gewann Silber — der größte Erfolg in der 100‑jährigen Schwimmgeschichte des GSV.
Trotz einer Erkältung drei Wochen vor dem Wettkampf zeigte sie sich in Topform. Trainer Ringleb:
«Zwei Medaillen nach zwei Wettkampftagen — damit hat wirklich niemand gerechnet.»
💪 Tanja Heinz — zweimal Platz 5 trotz Schulterproblemen
Die 52‑jährige «Mutter der Kompanie» verschob sogar eine empfohlene Schulteroperation, um sich ihren WM‑Traum zu erfüllen — und es lohnte sich.
- 50m Freistil: 0:30,70 — Platz 5
- 50m Schmetterling: 0:33,28 — Platz 5 (nur 0,5 Sekunden zu Bronze)
Neben ihren sportlichen Leistungen war sie eine wichtige Motivatorin und emotionale Stütze für das Team.
🐬 Thomas Gerlach — zurück im Wettkampfmodus
Der frühere GSV‑Top‑Schwimmer der späten 1990er und frühen 2000er Jahre hat nach beruflicher Pause seine Leidenschaft wiederentdeckt. Obwohl er inzwischen in NRW lebt, startet er weiterhin für den GSV.
In Doha trat er in der stark besetzten AK 45–49 über alle drei Bruststrecken an:
- 100m Brust: 1:16,02 — Platz 13
- 50m Brust: 0:34,22 — Platz 8
- 200m Brust: 2:47,25 — Platz 10 (seine stärkste Leistung)
🏆 Fazit: Eine der erfolgreichsten WM‑Wochen der Vereinsgeschichte
Mit drei Medaillen, zahlreichen persönlichen Bestzeiten und insgesamt elf Top‑Ten‑Platzierungen hat das GSV‑Masters‑Team in Doha Vereinsgeschichte geschrieben. Die Mischung aus Teamgeist, Disziplin und Leidenschaft machte diese Weltmeisterschaft zu einem außergewöhnlichen Kapitel für den Gießener Schwimmverein
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